Sherra Muir

Im Jahr 1715 unternahmen die Stuarts mit dem in französischem Exil lebenden Old Pretender erneut einen Versuch der Restoration ihrer königlichen Macht in Schottland. Noch war der Old Pretender nicht in Schottland, doch der Boden sollte bereitet werden. John Erskine, the Earl of Mar, hatte die vorwiegend aus den Highlands stammenden Anänger Jacobs unter seinem Banner zum Einmarsch in die Lowlands gesammelt. Er war geschickt als Politiker aber gänzlich unfähig als Feldherr. Zusammen mit den Highland Clans, darunter auch der Clan Gregor, zog er am 13. November 1715 mit 12000 Mann in die Schlacht gegen die Whigs und Covenants bei Sherriffmuir. Die gegnerische Streitmacht (6000 Mann) wurde geführt von John Campbell, Duke of Argyll, welcher seinerzeit ein durchaus respektierter Feldherr war. Man streitet noch heute, wer die Schlacht gewonnen hat, die vielen Toten sicherlich nicht …

Robert Burns setzt später der Schlacht eine Denkmal mit The Battle of Sherramuir. Darin lässt er die Sichtweisen zweier Schäfer aufeinandertreffen, welche das Geschehen durchaus unterschiedlich interpretieren, wie denn auch das Ganze sehr kontrovers, offensichtlich auch von Burns, gesehen werden kann.

(Übertagung ins Deutsche von Bernd Horlbeck)

THE BATTLE OF SHERRAMUIR

Die Schlacht von Sheriffmuir

1789
1

Kommst du hierher den Kampf zu meiden
Oder willst du Schafe weiden?
Oder hast du gar gesehen
was im Sherra-Muir geschehen?
Ich sah die Schlacht, des Todes Mahl,
In Strömen rann das Blut durch‘s Tal,
Es pocht‘ mein Herz vor Furcht und Qual,
Als ich hörte den Lärm und sah die wilden Haufen,
Der Clans aus den Wäldern, zum Schachtfeld laufen,
Und nach den drei Königreichen greifen, Mann.

2

Die Rotröcke mit ihren schwarzen Kokarden am Hut,
Die fackelten nicht lang und ließen den Gegner nicht warten:
Sie drängten und stießen und es spritzte das Blut,
Und es fielen der Männer so viele!  
Der große Argyle führte seine Truppen zum Kampf,
Wohl meilenweit leuchteten sie durch Staub und Dampf,
Sie hämmerten ein auf die Clans wie Nine-pin-Kyles,
Es krachten der Breitschwerter stählerne Längen,
Es war ein Hauen und Stechen, Krachen und Drängen,
Bis der Unglücklichen viele gefallen, Mann.

3

Aber wenn Du die Clans  gesehen hätt‘st
Und das Leuchten der Tartan Farben,
mit den Zähnen bissen sie sich in unsere Whigs,
Und treuen Covenants, Mann!
Sie kamen in Reihen, ausgedehnten und langen,
Als die Bajonette in ihre Tartschen drangen,
Und schier Tausende zum Angriff sprangen,
Quoll die Highland Wut hinter den Schilden heraus,
Führten die tödliche Klinge bis ihnen der Atem ging aus,
Und flohen dann, grad wie ein Haufen Hühner, Mann!

4

Oh, zum Teufel! Kann das denn wahr sein, Tam?
Der Angriff kam von Norden, Mann!
Ich sah es selbst wie sie trieben
Die Reiterei zurück nach Forth, Mann;
Auch bei Dunblane brachte sie keiner zum Steh`n,
Sie nahmen die Brücke, ich hab es geseh‘n,
Um in wilder Flucht gen Stirling zu geh`n,
Doch Gott verdammt! Die Tor` war`n zu,
Und hunderte arme Rotröcke liefen herzu,
Sinkend in Ohnmacht vor Furcht, Mann!

5

Meine Schwester Kate kam g`rad heran
Mit Brot und Wasser für mich, Mann:
Sie schwor, sie sah die Rebellen rennen,
Nach Perth und nach Dundee, Mann!
Ihr General zeigte sein unfähiges Gesicht;
Die Angus-Männer hatten den Willen nicht,
Dass sich Boden mit der Nachbarn Blut vermischt;
Aus Furcht, der Feind könnt ihnen nehmen auch,
Den Fressnapf, lösten sie sich auf wie Pfeifenrauch,
Und heimwärts sie eilig flohen, Mann.

6

Sie verloren so manchen tapferen Mann
Unter den Highland Clans, Mann!
Ich fürchte, auch mein Lord Panmure ist tot
Oder in seines Feindes Hand, Mann.
Nun, wie besingt man die doppelte Schlacht,
Mancher fiel für falsche und mancher für rechte Macht
Doch letztlich sagten so viele der Welt gute Nacht:
Kugeln flogen, Äxte krachten und beim Knalle der Musketen
Sind die Tories zum Sterben angetreten,
Und die Whigs sind zur Hölle geflohen, Mann!