Immortal Memory 2016

Pascal Bockhorn – Burns Supper 2016

Robert Burns und die Pferde

Meine lieben Freunde und Pferdeliebhaber! Es ist mir eine Ehre, mit Euch heute in unserem bescheidenen Stall, den unsere Clansmen und die liebe Claudia gemütlicher als das Burns Cottage hergerichtet haben, über Robert und seine Pferde sinnieren zu dürfen.  Ja, dieses Jahr werde ich euch nicht mit Zahlen langweilen, um Euch darzulegen, dass ein Byte nicht mehr ausreicht um den Geburtstag von Robert Burns in einem Computer abzuspeichern.  „To a Mouse“ hat sich Dank meiner Kater für heute auch erledigt.  Nun gut meine Pferdenarren, wir haben einen harten Ritt vor uns, deswegen bitte füllt jetzt erstmal eure Gläser auf, so dass diese ausreichend voll sind, für doch mehrere Toasts, die ich vorhabe auszusprechen, auch damit Ihr meinen Redefluss nicht unterbrechen müsst, durchs Nachfragen, wer denn jetzt euch den Whisky mal reichen könne. Und mit voll meine ich nicht bis zum Eichstrich, wie es hier im Pub sonst üblich ist, sondern voll!  Ich mache das jetzt auch gleich mal, für diesen Vortrag natürlich mit Robert Burns Whisky, wer mag kann natürlich auch White Horse wählen, es geht ja schließlich auch um Pferde.  So, Gläser alle voll? Dann üben wir das Anstoßen gleich mal, also bitte erhebt Eure Gläser und lasst uns erstmal anstoßen

Auf unsere Gemeinschaft, die Clansmenn, den Life Pub mit Claudia und Frank und auf einen schönen Abend heute! Slainte mhath!

So, nach diesem kleinen Aperitif fangen wir dann mal an. Was bedeutete Robert sein Pferd eigentlich? Da wir ja doch schon aus zahllosen Gedichten wissen, dass Robert sich in gewisser Weise viel rumgetrieben hat, und er all diese Wege nicht zu Fuß machen wollte, oder konnte, nach z.B. so schönen Abenden wie hier gerade, so unterhielt er sich stets ein Pferd. Und so wie wir es heute sagen würden, des deutschen Liebstes Kind, so war auch Robert für die Verhältnisse seiner Zeit gewissermaßen ein Autonarr. Ein guter Zeitpunkt um die Gläser warm zu halten und auf unsere Transportmittel anzustoßen, also erhebt bitte Eure Gläser und stoßt mit mir an,

Auf eine der wichtigsten Errungenschaften seit der Steinzeit, auf die Mobilität. Slainte mhath!

1789 legte Robert Burns bereits 300km wöchentlich zurück. Das übrigens entspricht ungefähr der Jahreskilometerzahl die Birgit so mit ihrem Auto fährt.  Die Kilometer bei Robert kamen zusammen in seiner Funktion als Steuereintreiber, in der auch durch ihn durchgeführten Landwirtschaft sowie auch in seinen Reisen die er als Poet und Dichter unternahm. Hierbei kann man davon ausgehen, dass er aufgrund seiner vielen Stunden die er wöchentlich unterwegs auf der Straße verbrachte, nicht auf einen alten Gaul vergleichbar mit einem Trabbi zurückgriff, sondern eher ein Rassemodell wie eine Mercedes E Klasse bevorzugte, ein ideales Langstreckengefährt, selbstverständlich auch ausgestattet mit Ledersitz und anderen Finessen wie z.B. Automatikgetriebe, natürlich wird er in Schottland bei seiner Modellwahl auch eine Sitzheizung gewählt haben. Schmerzlich wird allerdings gewesen sein, dass die Modelle der damaligen Zeit üblicherweise nur mit einem 1 PS Motor ausgestattet waren und auch nicht aufgerüstet werden konnten. Dafür war damals Allrad Serienausstattung gewesen, kein Wunder bei den mittelalterlichen Straßenverhältnissen… Außerdem, und sicherlich auch ausschließlich deswegen, um bei den Damen einen schnittigeren Eindruck zu hinterlassen, hatte er ein Cabrio. Ein anderes Argument für diese Modell Wahl erscheint mir auf jeden Fall nicht schlüssig, das Wetter in Schottland wird damals ja auch nicht besser als heute gewesen sein. So, Ich finde wir könnten mal kurz einen Boxenstopp einlegen und tanken und passend zum gerade Vorgetragenen lasst uns doch einfach malanstoßen

Auf unsere Autos und die aktuell niedrigen Spritpreise. Slainte mhat!

Da es sich auch früher noch um rein mechanische Antriebe handelte, wird die regelmäßige Schmierung auch nicht zu kurz gekommen sein. Ich rede hier nicht vom Fahrzeug! Das ließ sich recht günstig unterhalten mit Wasser und Gras, beides Rohstoffe derer es in Schottland genug von gab, gibt und hoffentlich auch immer geben wird. Da sich allerdings für den Fahrer eine Reihe verschiedenster körperlicher Belastungen während des Vorwärtskommens ergaben, primär ausgelöst durch die etwas wackelige Fortbewegung der damaligen Modelle, musste hier viel mehr auf eine tägliche Schmierung aller Bauteile geachtet werden. Da der Mensch doch gewisse physiologische Ähnlichkeiten mit einem Pferd hat, kann hier auch mit Wasser und Gras geschmiert werden, für die Krone der Schöpfung natürlich veredelt in Form von Whisky! Also lasst uns jetzt unsere tägliche Schmierung absolvieren und erhebt Eure Gläser und stoßt an mit mir

Auf das Ergebnis einer guten Schmierung, unsere Gesundheit! Slainte mhath!

Und weil es so gesund ist gleich nochmal

Auf das Motoröl, den Whisky, Slainte mhath!

Da es hier gerade um Autos und Alkohol ging und mir gerade auffällt, dass ich jetzt schon eine Weile nichts über Robert Burns erzählt habe, sollten wir dann vielleicht doch mal die Kurve kriegen und ein dazu passendes Thema anschneiden, die Trunkenheit am Steuer oder zu damaliger Zeit halt am Zügel. Unser Robbie hatte da so seine Erfahrungen die er uns dankenswerterweise im Brief vom Loch Lomond hinterlassen hat, Ich zitiere hier mal eine Passage wie sie sich auch heute zwischen jungen Herren an der Ampel z.B. nach der Diskothek abspielen könnte. Kurz zur Einleitung: Robert hatte einen schönen Abend erlebt in dem er mit mit vielen Frauen tanzte und feierte nun schon ein paar Tage reitend auf diesem Hochgefühl durch:

Wir aßen bei einem anderen Kameraden zu Abend und machten uns dann über die Flaschen her. Als wir das Haus verließen, waren wir noch nicht richtig närrisch, aber recht fröhlich. Meine beiden Freunde und ich ritten ganz „nüchtern“ am See entlang, bis ein Hochländer im Galopp daher kam.

Sein Pferd war ganz gut, aber noch nie mit Eisen oder Leder versehen gewesen. Wir wollten uns auf keinen Fall von einem Hochländer überholen lassen, und so gaben wir unseren Pferden Sporen und Peitsche. Meine Begleiter, obwohl scheinbar gut beritten, fielen deutlich zurück.

Aber meine alte Mähre, Jenny Geddes aus der Familie der Rosinante, zog am Hochländer vorbei trotz aller seiner Plackerei mit dem Zügel. Gerade, als ich an ihm vorbei wollte, riss der Hochländer sein Pferd herum, als ob er mir den Weg abschneiden wollte; da stürzte es und beförderte seines Reiters hosenloses Hinterteil in eine gestutzte Hecke.

Und auf das alles stürzte nun Jenny Geddes, und meine Dichterschaft geriet zwischen sie und des Hochländers Pferd. Jenny Geddes stieg mit so vorsichtiger Ehrerbietung über mich hinweg, dass es nicht so schlimm wurde, wie man eigentlich hätte erwarten können; also kam ich mit ein paar Kratzern und blauen Flecken aus der Sache heraus und mit dem festen Vorsatz, in Zukunft ein Muster an Nüchternheit zu sein.

Da Robert sicherlich diese Erfahrung nicht zu einer Verhaltensänderung nutzte, erheben wir da mal nicht unser Glas drauf, sondern machen weiter bei Roberts Lieblingspferd, seiner Maggi. Als diese in einem Alter war, in dem Pferde hierzulande meistens schon zu Wurst verarbeitet worden sind, schrieb er Ihr ein Geburtstagsgedicht. Ausschnitte des selbigen findet ihr auch auf Eurer Tischkarte, hier allerdings in einer etwas anderen Übersetzung. Ich zitiere mal zwei Verse, in denen man einen gewissen Stolz Roberts auf sein Pferd nicht überhören kann:

Als wir noch Beide stark und jung,
Und Markttags säumt’ die Fütterung, 
Wie bäumt’st du dich und wiehert’st dann 
Durch alle Straßen! 
Die Städter wagten sich nicht ‘ran, 
Du schienst zu rasen.
 
Warst du gefüttert und ich voll,
Dann ging’s nach Haus wie blind und toll;
Bei Hochzeitrennen um den Kranz
Gab’s keinen Gleichen. 
Wo du warst, musste jeder Schwanz 
Besiegt dir weichen.

Ich glaube, diese Verse geben nun wieder genug Grund zum Erheben der Gläser, lasst uns anstoßen

Auf die Jugend, ohne deren Durchleben wir nicht hier wären. Slainte mhath!

Auch die zwei letzten Verse aus selbigem Gedichte möchte ich Euch noch vorstellen:

Denk’ nicht, mein altes treues Tier, 
Jetzt, seit du minder nützlich mir, 
Der Hunger ende wohl dein Alter; 
Nein, volles Maß 
Bewahr ich dir vom letzten Malter, 
Bis ich erblass’.

 

Wir war’n uns treu in jungen Jahren, 
Wir wollen’s auch mit grauen Haaren; 
Und sorglich will ich deinen Strick 
Im Geheg anbinden, 
Da füll’ den Wanst dir dudeldick, 
‘s ist leicht zu finden.

Ja, und damit ist’s offenbar, dass wir nun natürlich auch unsere Gläser erheben

Auf das Alter, ohne das wir auch heute nicht hier wären! Slainte mhath!

Vergessen sein sollen natürlich nicht ,

Die ersten zwei Verse aus diesem Gedicht, mit denen ich meinen Vortrag hier beschließen werde. Genug für heute von Roberts Pferden.

Zum Neujahr wünsch’ ich dir viel Glück, 
Mein Tier, hier hast du deine Rick’! 
Zwar bist du spathig, lahm und wirsch, 
Doch war ein Tag, 
Da sprangst du wie ein junger Hirsch 
Flink über’n Hag.

 

Jetzt bist du schläfrig, matt und greis, 
Und dein alt Fell wie Maslieb weiß; 
Doch warst du scheckig, schmuck und glatt,
Ein netter Grauer; 
Wer einmal Tags gespornt dich hat, 
Dem wurd’ es sauer.

Ja, 257 lieber Robert, da kann man doch schon mal matt und greis sagen.

Ladies and Gentlemen please stand up with your glass for a Toast to Robert Burns! Slainte mhath!