Was Schottland bewegt …

Von B. Horlbeck, zuletzt editiert am 09.01.2021

  • Sturgeon vs. Salmond

Ein großes Pressethema zum Samstag ist ein „Krieg“ zwischen FM Nicola Sturgeon und ihrem Vorgänger Alex Salmond, basierend auf Salmonds Vorwurf gegen Frau Sturgeon, das Parlament bezüglich des gegen ihn erhobenen Vorwurfs sexueller Belästigung in die Irre geführt zu haben. Er behauptet, die von Frau Sturgeon dem Holyrood-Untersuchungsauschauss vorgelegten Beweismittel seien „völlig falsch“. Frau Sturgeon indes lässt verlauten, dass sie die Anschuldigung vollständig zurückweist. So die Titelseiten von The Sotsman, Daily Telegraph, Daily Mail und i. Hier scheint mir nicht der Platz, in der Sache weiter hinter die Kulissen schauen zu müssen aber es ist bemerkenswert, welchen Raum dieses Thema in führenden Medien in Zeiten ernster Covid-19 Auswirkungen und harten Lockdowns einnimmt.

aus BBC-Scotland, 09.01.2021

  • Madder than Mad Jack McMad

Verrückter geht’s nicht. Das ist die Botschaft des Daily Star zu den jüngsten Ereignissen in Washington und, man kann auch sagen Verfehlungen des Donald Trump. Die Zeitung bildet den Präsidenten karikativ als in unwilliges, bockiges Baby mit Windel ab und fügt den Kommentar hinzu „America’s shame“ .

aus BBC-Scotland, 09.01.2021

  • Back into Lockdown

… so betitelt The Scotsman die aktuelle Lage in Schottland. Ganz ähnlich lauten jedoch die Schlagzeilen fast in allen Medien Schottlands. Wie sollte es auch anders sein? Das 5-Stufen-System war der Versuch, einen harten Overall-Lockdown auf ein erträgliches Maß zu reduzieren unter der Maßgabe, eine Ausbreitung des Virus‘ mit dennoch gleicher Effizienz einzudämmen. Nun, der Erfolg ist in Zweifel zu ziehen. Wir haben in Deutschland mit einem ähnlichen Vorgehen einen gleichen zweifelhaften Erfolg zu verzeichnen. Unter dem Blickwinkel, dass wir so die Feiertage ohne unmittelbare Katastrophe überstanden haben, ist es so vielleicht auch etwas positiv zu sehen. Allerdings, nun hilft kein Lavieren mehr. Jetzt können wir nur noch auf das Zweigespann setzen: Lockdown plus Impfung. Wie es die FM Nicola Sturgeon formuliert: Der Wettlauf zwischen Impfung und Virus.

unter Verwendung von BBC-Scotland, 05.01.2021

  • Don’t party over Hogmanay!

… dieser Aufruf erschallt fast auf allen Titelseiten und wird ergänzt von der dringenden Bitte der FM Nicola Sturgeon an alle Schotten, in der Neujahrsnacht zu Hause zu bleiben. Schottland hatte Dienstag die höchsten Zahlen an Neuinzidenzen zu verzeichnen, meldet die i. Sehr wahrscheinlich sind es die Auswirkungen der Weihnachtstage, sowohl hinsichtlich der tatsächlichen Inzidenzen als auch deren Registrierung, welche nun auf einen Schub kommt.

Dahinter tritt der Siegesruf des PM Johnson: „Wir haben das Unmögliche vollbracht“ (Daily Express) in den Hintergrund. Und auch die neuerlichen Schneefälle, welche im Daily Star mit „Whitemare“ bezeichnet werden, verblassen dagegen, gleichwohl sie lebenswichtige Lieferungen für tausende sich selbstisolierende Familien beträchtlich behindern. Eine gelbe Wetterwarnung wurde für Schottland wegen des Schnees ab Mittwoch 18:00 herausgegeben.

aus BBC-Scotland, 29.12.2020

  • Ab 2. Weihnachtsfeiertag praktisch nur noch Level 4

Ab dem 26. Dezember wird praktisch ganz Schottland unter das höchste Covid-Level 4 fallen. Nur für einige westliche und nördliche Inseln wie Islay, Jura, die Orkneys, die Shetlands und einige andere gilt „nur“ Level 3. Selbst die Isle of Skye fällt dann unter Level 4. Nicola Sturgeon meint, die Verschärfung der Restriktionen sind im Zusammenhang mit einer neuen, sich noch schneller verbreitenden Variante von Covid nötig. Sie ergänzt, die Fallzahlen seien derzeit in Schottland niedriger als im restlichen UK, es handelt sich also um eine präventive Maßnahme.

aus BBC-Scotland, 22.12.2020

  • Prepare for No Deal

Das Hauptthema in der Presse: „Bereitet euch auf No-Deal-Brexit vor!“ Der Satz ist von PM Boris Johnson, doch die Meinung ist ungeteilt. Mit dem Deal gemeint ist, dass es kein Handelsabkommen zwischen dem UK und der EU nach dem Brexit geben wird. Sonntag läuft die Verhandlungsfrist ab, aber die Fronten sind verhärtet. Irgendwie ist es schwer zu verstehen. Aber irgendwie ist es auch folgerichtig. Die Hauptformel der EU ist der Kompromiss. Unter Abwägung der Eigeninteressen aller Mitglieder muss immer eine Kompromisslösung gefunden und akzeptiert werden. Das gerade wollte das UK unter seinem PM Johnson nicht. Johnsons zentrale Formel lautet Unabhängigkeit im Sinne völliger Eigenständigkeit. Das passt mit einer Kompromiss-Union eben einfach nicht zusammen. Das kann man drehen und wenden wie man will. Der Scottish Daily Express erklärt „Alles was wir je wollten, war unsere Freiheit“ und „die EU weigert sich unverhohlen, die Einforderung unserer Unabhängigkeit zu akzeptieren„. Bei allem Verständnis, das ist abstrus. Gerade das wurde ja erwirkt, die Kompromisse der EU erstrecken sich nicht mehr auf das UK, weder die einengenden Regeln noch die daraus erwachsenden Vergünstigungen. Wahrscheinlich muss wirklich erst der Punkt null erreicht werden bevor man Schritt für Schritt im Einvernehmen einen für beide Seiten vorteilhafteren Zustand wiederaufbauen kann. Vor uns liegt ein Haufen Scherben, verletzt euch nicht noch daran. Zu kitten ist da nichts. Baut es neu auf!

B. Horlbeck 11.12.2020

  • Bye, bye Scotland 2021 …

Laut der FM Nicola Sturgeon „ist es nicht anzuraten, jetzt einen Sommerurlaub zu buchen.“ Und sie konstatiert: „Wir hätten viel, viel strengere Reisebeschränkungen schon früh in diesem Jahr haben müssen.“ Dies entnimmt sie einer wissenschaftlichen Analyse über die Ausbreitung des Virus in der zweiten Welle. Viele der Infektionen in der zweiten Welle seien in Länder außerhalb des UK zurückzuverfolgen.

B.H.: Ich schätze, im Zuge unserer geplanten Schottland-Reise 2021 können wir allenfalls einmal zur Insel hinüberwinken …

nach Report BBC-Scotland, 09.12.2020

  • Im Status gefallen

Am 18. Oktober hatte ich feststellen müssen „‚Der König‘ kauft ein“, womit die Erweiterung seines Golfplatzes in Aberdeenshire durch Donald Trump gemeint war. Daran hat sich durchaus nichts geändert. Doch gerade las ich über BBC, dass „Trumps Golfkurs-Dünen ihren besonderen Umwelt-Status verlieren“. Hintergrund ist, dass die Landschaftsagentur Nature Scot (vorm. Scottish National Heritage) erklärte, „dass das Gebiet nicht länger verdient, als SSSI (Site of Special Scientific Interest) bewahrt zu werden„.

nach Report BBC-Scotland, 09.12.2020

  • Lämmer zur Schlachtbank

„Die Brexit-Gespräche sind an den Verhandlungstisch zurückgekehrt und geben nur geringe Fortschrittssignale, weder seitens des UK noch der EU-Führung und für die Exporteure ist kein Deal in Aussicht.“ So kommentiert es Douglas Fraser für die BBC Scotland zum Wochenende. Fleischexporte bei Schafen sind ein Sektor, der mit besonders hohen Zöllen behaftet ist, um sowohl die britischen als auch die übrigen Farmer in Europa zu schützen, doch jetzt wird sich das UK außerhalb der europäischen Festung befinden. Etwa ein Drittel aller schottischen Schafe gehen in den Export und 98 % davon nach Europa. Die Köche dort schätzen das schottische Highland- Lamm. Doch es gibt eine starke Konkurrenz in Neuseeland. Man kann sich denken was passiert, wenn nunmehr auch für das UK immense Zölle für den Lamm-Export nach Europa anfallen werden. Es wird zum Zusammenbruch jeglicher bitischer Lammfleischexporte und zu einer totalen Überdeckung des britischen Marktes führen. Das setzt die schottischen Farmer unter erheblichen Druck. Doch das ist nur eine Sentenz unter vielen im schottischen Nahrungsmittelmarkt, ja im Markt überhaupt. Ein anderes großes Problem ist die Fischerei. Das UK will das Fischen in britischen Gewässern nicht gestatten. Doch was ist, wenn nur von Großbritannien aus gefischt werden darf. Der in Aussicht stehende „große Fang“ muß auch abgesetzt werden, um wirtschaftlich relevant zu sein. Wird man ihn in Frankreich noch kaufen? Und so schließt Douglas Fraser folgerichtig:

„Die Praxis eines Brexits mit einem Deal wird sehr viel beschwerlicher sein als jetzt, doch die Kosten eines Brexits ohne Deal werden aber noch weitaus höher sein und im Falle landwirtschaftlicher Güter werden sie weite Exportmärkte schlechthin zur Strecke bringen. The stakes for steaks could hardly be higher.

nach Kommentar von Douglas Fraser für BBC-Scotland, 06.12.2020

  • „Wir schlagen zurück …“

… es geht wie ein gemeinsamer Aufschrei durch Schottlands Presse und klingt wie im Krieg, diesmal gegen Covid-19. So bezeichnet es The Scottish Daily Mail als „Operation Beat Covid“, und der Dienstag nächste Woche ist der „V-Day“ , der Impftag (Vaccination Day). Das UK ist der erste Staat in der Welt, in welchem der Impfstoff von Pfizer die offizielle Zulassung erhalten hat. So mobilisiert das UK jedermann für den Kampf gegen den gemeinsamen Feind: „A call to arms“ bezeichnet es The Evening Telegraph. Es ist der auch für uns lang ersehnte Hoffnungsschimmer und die Edinburgh Evening News betiteln es mit „Vaccine Joy“ und „… the stars are shining bright …“. Und da uns das Lachen oder Lächeln nicht abhanden gekommen ist, werden PM Johnson und FM Nicola Sturgeon auch gleich mal im Daily Star zu Fred Feuerstein und Wilma stilisiert: „Jabba – Dabba – Doo!“.

aus BBC-Scotland, 03.12.2020

  • Der Hoffnungsschimmer zum Wochenende

Am Freitag schwenkt die Presse in solider Einigkeit vom Albtraum auf die Hoffnung. „Eine Million Impfungen in Schottland bis Ende Januar“ kommentiert The Herald den Gesundheitsminister und ergänzt, dass die schottische Regierung laut Gesundheitsminister plant, „in den nächsten Monaten 4,4 Millionen Schotten, die älter sind als 18 Jahre zu impfen“. Am Samstag wird neben anderen gesamtbritischen Themen auch noch einmal auf das bevorstehende Weihnachtsfest geblendet. So The Press and JournalSturgeon setzt Vorsicht an die Spitze der Weihnachtswunschliste“ und warnt mit den Worten von Frau Sturgeon vor „weiteren Lockdowns, wenn sich die Menschen nicht an die derzeitigen Regelungen halten“.

aus BBC-Scotland, 22.11.2020

  • Level 4 – der Albtraum vor Weihnachten

… das war der Grundtenor der schottischen Presse letzten Mittwoch. Hintergrund ist, dass mit dem 20. November nunmehr elf schottische Distrikte in das härteste Covid-19-Level 4 eingestuft wurden. Das betraf insbesondere die Regionen in West- und Zentralschottland, wo die Inzidenzraten noch immer bei etwa 250 pro Woche und 100k Einwohnern liegen. Wie der Daily Record berichtet, gibt Frau Sturgeon dabei der Hoffnung Ausdruck, dass man so die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage retten kann. Der Scotsman  spricht von ‚einer absurden Transparenzlücke in der schottischen Covid-Planung‚  und der Daily Telegraph schreibt, dass ‚die Regeln für Familien zu Weihnachten gelockert werden müssen‘. Kurz, es ist nicht anders als bei uns, gleiche Befürchtungen, die gleiche Regelunsicherheit.

aus BBC-Scotland, 22.11.2020

  • STEVIE WONDERS

… triumphiert The Scottish SUN in ihrer heutigen Ausgabe. Die zugehörigen Bilder in der gesamten schottschen Presse lassen keinen Zweifel worum es geht: Football! Football! Football! Genauer, Schottlands Rolle im internationalen Fußball. Für die nicht so gut informierten Leser: Gestern gelang Schottland nach 22 Jahren Abstinenz in Belgrad mit 5:4 (1:1) nach Elfmeterschießen ein historischer Sieg gegen Serbien und die Scotsmen um Nationaltrainer Steve Clarke qualifizierten sich für die EM 2021. Sie sind damit in einer Gruppe mit Kroatien, Tschechien und … England. Einen weiteren Kommentar braucht es nicht … oder doch noch ein paar Titelzeilen gewünscht?

  • Daily Express: „We’re Back“
  • Daily Star: „Finally. The Tartan Army can party at last“
  • The National: „Heroes“
  • Glasgow Times: „We’ve done it!“

aus BBC-Scotland, 12.11.2020

  • Cov-19-Impfstoff innerhalb von Wochen

Die Auslieferung eines wirksamen Impfstoffes gegen die Corona-Viren könnte bereits innerhalb von Wochen erfolgen. So kann man es auf den Titelseiten der Mehrzahl der schottischen Tageszeitungen lesen. Es ist ein Aufschrei der Erleichterung, in Schottland, wie in der übrigen Welt. Schließlich sehen wir zum ersten Mal ‚ein Licht am Ende des Tunnels‚, so schreibt es der Daily Record. Und The Herald wie auch der Daily Express bringen die Hoffnungen auf den Punkt, dass das Leben im nächsten Frühjahr damit in die Normalität zurückkehren könnte. Scottish Daily Mail: ‚Ein kleiner Stich für einen Menschen …‘, aber eine Riesenerleichterung für die ganze Menschheit, darf man ergänzen.

aus BBC-Scotland, 07.11.2020

  • Thema No. 1: U.S. elections

Thema No. 1, auch in den schottischen Medien ist aktuell natürlich der Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA: „Biden verspricht eine gespaltene Nation zu heilen“. So umschreibt es The Scotsman. Ich meine, in den Medien im Hintergrund eine gewisse Hoffnung in einer möglichen Präsidentschaft von Biden erkennen zu können. Doch man erwartet sicherlich nicht zuviel. Mit britischer Zurückhaltung kommentiert man allgemein die augenblickliche Faktenlage, wie im Daily Express konstatiert: „Präsident Trump verweigert eine Anerkennung der Realität“.

aus BBC-Scotland, 07.11.2020

  • Irgend etwas, worüber wir uns freuen können

„Es ist zwar erst November, doch mit Sicherheit brauchen wir etwas, worüber wir uns freuen können“, so beschreibt der Daily Star mit Blick auf das kommende Weihnachtsfest die Unsicherheit der Menschen, wie wir damit umgehen können in der aktuellen Cov-19-Situation. Die Infektionszahlen sind auch in Schottland nicht geringer geworden, aber sie sind auch nicht weiter gestiegen. Halbleer oder halb voll? Der erste Schritt war notwendig, aber wird ein zweiter Fortschritt folgen und uns wieder etwas bringen, auf das wir uns von ganzem Herzen freuen können? Wird der schottische Humor dieses Jahr die einzige Weihnachtsdekoration sein? „Weihnachten ist für mich die schönste Zeit des Jahres … besonders dieses Jahr, wenn ich keinen Menschen sehen muss …“ (Bauble auf der Titelseite des Daily Star).

aus BBC-Scotland, 07.11.2020

  • Versprechen der Sicherung schottischer Jobs

Der britische PM (Premieminister Boris Johnson) verspricht die Sicherung schottischer Jobs auch unter den Bedingungen eines zweiten Lockdowns und eines damit verbundenen Zwangsurlaubs, heißt es heute im Daily Express und im Daily Telegraph. Und The Herald stellt fest: Die Zwangsurlaub-Konfuision hält Schottland in einem Schwebezustand. Im Grunde besteht das Problem darin, dass nicht restlos klar ist, inwieweit das Schema bezahlten Zwangsurlaubs in Schottland verfügbar bleibt, wenn der volle Lockdown in England mit Beginn des nächsten Monats endet. Der PM sagt, dass das Schema immer dort verfügbar sein wird, wo es gebraucht wird. Doch sein Sekretär Robert Jenrick hat daran einige Zweifel. England geht am Donnerstag in einen landesweiten Lockdown , welcher bis 2. Dezember andauern wird, während Schottlands unbegrenztes 5-Stufen-Konzept seit  Wochenbeginn in Kraft ist.

Wenn wir auch hier in Deutschland oft ein nicht einheitliches Vorgehen bemängeln, so will mir bei aller Zurückhaltung doch scheinen, dass wir da noch um Einiges besser d’ran sind als das UK.

nach Berichten der BBC-Scotland, 03.11.2020

  • Scotland papers on Sunday

Die BBC Scotland fasst die Titelseiten der schottischen Presse für den heutigen Sonntag zusammen:

’00 Heaven‘ and the ‚Nightmare Before Christmas‘

Die Trauer um Sir Sean Connery erfasst eine ganze Nation. Spätestens hier erkennt man, dass sich die Schotten von Sean Connery repräsentiert fühlten und fühlen wollten wie von kaum einer anderen Persönlichkeit dieser Tage.

‚Der Albtraum vor Weihnachten‘ (Scottish Daily Express) tritt demhingegen in den Medien zurück. Er gilt den bevorstehenden Covid-19-Maßnahmen für die nächsten 4 Wochen in England. Die First Ministerin Nicola Sturgeon rät den Schotten, sich in dieser Zeit außerhalb Englands aufzuhalten (Scotland on Sunday).

aus BBC-Scotland, 01.11.2020