Was Schottland bewegt …

Von B. Horlbeck, zuletzt editiert am 02.04.2021

  • „Stay at home“ goes to „Stay local“

Dank der umfangreichen Impfkampagne sinken die Inzidenzraten in Schottland. Bei den über 60-Jährigen sind weit über 90% geimpft. Bei Menschen zwischen 55 und 59 Jahren sind es etwa 85 %. Insgesamt liegt man bei der Bevölkerung über 16 bei etwa 55 %. Das sind Zahlen, von denen wir in Deutschland nur träumen können. Da nimmt es nicht Wunder, dass auch die 7-Tage-Inzidenzrate weiter sinkt. Clackmannanshire hat mit 169,4 noch den höchsten Wert, Glasgow City liegt schon unter 100. Und die Zahlen sinken langsam aber stetig weiter. Das Scottish Government hat den Slogan von „Stay at home“ auf „Stay local“ geändert. Bei aller Behutsamkeit, das klingt hoffnungsfroh. So titelt auch die Scottish Daily Mail „Lockdown lifting at long last!„.

aus BBC-Scotland, 02.04.2021

  • Sturgeon cleared – Case closed.

Das ist die Zusammenfassung der Leitartikel von the i and Metro. Aber mit ähnlichen Headlines zieht es sich heute durch die gesamte Presse Schottlands. Und damit ist die Misstrauensangelegenheit um die FM, Frau Sturgeon hoffentlich endgültig zu den Akten gelegt. Die Anhörung ergab eindeutig, dass es keinen Bruch des ministeriellen Codes ihrerseits gegeben hat. Die Geschichte um Alex Salmond ist eine andere Sache. Aber das ist hier nicht das Thema. Ich denke, Schottland hat seinen Frieden mit Frau Sturgeon gemacht und auf den Fotos wirkt sie auch deutlich erleichtert.

aus BBC-Scotland, 23.03.2021

  • Hard to believe

So titelt The Scottish Sun am Samstag, aber die Zeitung bezieht sich damit auf Äußerungen der FM, Frau Sturgeon hinsichtlich der Vorwürfe an Ex-Minister Salmond. Ich werde hierzu nichts mehr sagen, denn für mich ist es wirklich schwer zu glauben, dass es das ist, was die schottische Öffentlichkeit derzeit wirklich umtreibt. Manchmal kommt es mir, genauso wie in Deutschland, vor wie eine andere Welt, in der die Medien leben. Da wimmelt es nur so von Grabenkämpfen der Politiker, welche doch eigentlich von uns dazu berufen worden sind, des Volkes Belange sauber und bestmöglich zu führen und nicht nur ihren eigenen Garten zu bestellen. Ist es wirklich das, was die Menschen von Schottland gegenwärtig am meisten beschäftigt? Viel lieber würde ich in einem Pub in Glasgow zuhören, über welche Themen man dort spricht. Nun das geht leider nicht, weil die Pubs eben geschlossen sind. Das macht mir Sorgen. Und den Schotten, so glaube ich, ebenso. Wie lange wird das noch so weitergehen? Entspricht des Volkes Sorge überhaupt noch dem Kontext der Medien? Man muss schon etwas tiefer gehen und die kleineren Schlagzeilen lesen, nur nicht zu tief, dann können wir auch gleich unsere Lokalpresse bemühen.

unter Zuhilfenahme von BBC-Scotland 20.03.2021

  • Lockdown rules relaxed

So kommentiert The i die ab Freitag geltenden etwas entspannten Lockdown-Regeln für Schottland. So dürfen sich dann schottlandweit bis zu vier Erwachsene aus zwei Haushalten im Freien treffen. Das kann man sicher noch nicht als ein Ende des Lockdowns ansehen aber es ist eine Zäsur auch unter dem Gesichtspunkt, dass am Sonntag im UK The Mother’s Day gefeiert wird. The Scotsman benennt es deshalb etwas euphorisch schon als family „reunion“. Eine Hoffnung vermittelnde Erleichterung ist es allemal. Lockdown und Impffortschritt haben immerhin die landesweite Inzidenzrate deutlich sinken lassen. Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen liegen bei knapp 150 (Clackmannanshire) und liegen ansonsten im Durchschnitt auf dem Niveau von Niedersachsen, also zwischen etwa 40 und 120.

aus BBC-Scotland, 10.03.2021

  • Köpfe müssen rollen

… so eröffnet der Daily Record seine Samstagsausgabe: „Heads must roll“. Ähnlich klingt es in weiten Teilen der schottischen Presse. Das hört sich sehr drakonisch an. Und es hat diesmal nicht mit Corona zu tun. Aber was ist passiert?

Donnerstag hat es eine gerichtliche Anhörung von Ex-FM Alex Salmond in Edinburgh gegeben und zwar zu angeblichen sexuellen Übergriffen, welche ihm vorgeworfen werden. Insgesamt sind es 14 Anklagepunkte, welche ihm vorgelegt wurden, davon zwei versuchte Vergewaltigungen. Salmond weist die Anklagen allesamt zurück. Hat er nun oder hat er nicht? Und was hat er oder hat er nicht getan? Die Opfer des schottischen Ex-Premiers (bis 2014) sind, wenn es denn zutreffen sollte, ehemalige  Mitarbeiterinnen Salmonds.

Was bedeutet das alles? Alex Salmond und Nicola Sturgeon erinnern mich ein bißchen an Helmut Kohl und Angela Merkel. Salmond ist so etwas wie der politische Ziehvater von Frau Sturgeon. Er steht wie kein Zweiter für die schottische Unabhängigkeit und er hat Frau Sturgeon in die Spitzenposition der schottischen Regierung gebracht. Sie handelten Seite an Seite. Doch irgendwann begann das Verhältnis zu bröckeln bis es vor ein bis zwei Jahren zur Gegenerschaft mutierte. Salmond verließ die Schottische Nationalpartei (SNP) als erste Vorwürfe auftauchten und er sich vom Parlament unfair behandelt fühlte. Frau Sturgeon bestand darauf, die Vorwürfe genauestens polizeilich zu prüfen. Mr. Salmond wurde in polizeilichen Gewahrsam genommen und auf Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt.

Eine Tragik oder mehr? Mr. Salmond bezeichnet die Vorwürfe als lächerlich. Details weiß man nicht und wir können uns kein Urteil bilden. Sicher dürfte jedoch sein, dass Salmond auf unrühmliche Weise das politische Spielfeld verlassen hat. Es scheint, als ob er Rache geschworen hätte gegen Frau Sturgeon und er schägt zurück (The i and The National). Im Daily Telegraph und The Courier heißt es, er denunziere Frau Sturgeon: „Scotland’s leadership has failed„. Und das ist Herrn Salmonds Gegenangriff. Er wirft der Regierung und damit FM Sturgeon vor, die parlamentarischen Regeln zu brechen und bescheinigt ihr die Unfähigkeit, Schottland in die Unabhängigkeit zu führen (The Scotsman, Edinburgh News, Press & Journal). Oder agiert Herr Salmond doch noch am Spielfeldrand?

aus BBC-Scotland, 27.02.2021

  • Das „Juli“-Versprechen

Überfliegt man die Sonntagsausgaben der schottischen Presse, so sticht ein Thema hervor, das Versprechen von Boris Johnson, dass jeder Erwachsene im UK bis Ende Juli zu mindest eine Impfung erhalten haben wird. Man verbindet damit natürlich die Hoffnung, endlich wieder einmal „normale“ Ferien zu haben. Gleichzeitig warnt man auch davor, wie z.B. der Sunday Express, auf diese Weise falsche Hoffnungen zu wecken. Aber dennoch, die Impfung ist die große Hoffnung. Bisher haben in Schottland rund 1,4 Mio. Menschen zumindest eine Impfdosis erhalten, 300k Menschen bereits zwei. Das ist relativ viel. Bei insgesamt 5,5 Mio. Einwohnern stünden rein rechnerisch 11 Mio. Impfungen an, um alle zu impfen. Damit wären die Schotten bei ca. 15 % der Gesamtimpfungen.  Zum Vergleich: Niedersachsen hat fast 8 Mio. Einwohner, bei 420k verabreichten Impfdosen sind wir bei etwa 2,6 %. Ohne Kommentar …

aus BBC-Scotland, 21.02.2021

  • Impffortschritt und Quarantänepläne

Thema No. 1 in den Pressemedien ist der aktuelle und zu erwartende Impffortschritt. Darüber hinaus werden auch Pläne diskutiert, speziell Flugreisende zunächst mit einer Quarantäne zu belegen. Laut Daily Telegraph gibt es Vorschläge, dass über 28000 Hotelzimmer für eine solche Quarantänemaßnahme reserviert werden könnten – Kosten 800 £ p.p.

Weiterhin gibt METRO nach Auskünften von Wissenschaftlern an, dass bis 31. März alle über 50-jährigen ihre erste Impfdosis erhalten haben könnten. Und der i schätzt ab, dass der Juli als wahrscheinlicher Monat anzusehen ist, in welchem eine Herdenimmunität im UK erreicht werden kann, vorausgesetzt, die Virus-Mutationen schlagen nicht wesentlich auf die Impfstoffwirksamkeit durch.

aus BBC-Scotland, 05.02.2021

  • 600 000 jabs a day

„Das UK bricht einen Impf-Rekord mit 600 000 Impfungen pro Tag“ melden die i und auch METRO. Damit wurden fast 1 % der britischen Bevölkerung an einem einzigen Tag geimpft. Und der Daily Express frohlockt, dass das UK bereit ist für einen großartigen Sommer. Die 7-Tage-Inzidenzraten in Schottland sind noch immer hoch mit über 200 pro 100k Einwohner in den Regionen Lanarkshire und Glasgow aber sie steigen nicht mehr an. Man darf hoffen, dass damit auch die Nervosität der letzten Tage, die  zuweilen sogar mit einem „Impfstoff-Krieg“ zwischen dem UK und der EU tituliert wurde, wieder abflaut und sich wieder gut nachbarschaftliches Miteinander durchsetzt.

aus BBC-Scotland, 01.02.2021

  • Sturgeon vs. Salmond

Ein großes Pressethema zum Samstag ist ein „Krieg“ zwischen FM Nicola Sturgeon und ihrem Vorgänger Alex Salmond, basierend auf Salmonds Vorwurf gegen Frau Sturgeon, das Parlament bezüglich des gegen ihn erhobenen Vorwurfs sexueller Belästigung in die Irre geführt zu haben. Er behauptet, die von Frau Sturgeon dem Holyrood-Untersuchungsauschauss vorgelegten Beweismittel seien „völlig falsch“. Frau Sturgeon indes lässt verlauten, dass sie die Anschuldigung vollständig zurückweist. So die Titelseiten von The Sotsman, Daily Telegraph, Daily Mail und i. Hier scheint mir nicht der Platz, in der Sache weiter hinter die Kulissen schauen zu müssen aber es ist bemerkenswert, welchen Raum dieses Thema in führenden Medien in Zeiten ernster Covid-19 Auswirkungen und harten Lockdowns einnimmt.

aus BBC-Scotland, 09.01.2021

  • Madder than Mad Jack McMad

Verrückter geht’s nicht. Das ist die Botschaft des Daily Star zu den jüngsten Ereignissen in Washington und, man kann auch sagen Verfehlungen des Donald Trump. Die Zeitung bildet den Präsidenten karikativ als ein unwilliges, bockiges Baby mit Windel ab und fügt den Kommentar hinzu „America’s shame“ .

aus BBC-Scotland, 09.01.2021

  • Back into Lockdown

… so betitelt The Scotsman die aktuelle Lage in Schottland. Ganz ähnlich lauten jedoch die Schlagzeilen fast in allen Medien Schottlands. Wie sollte es auch anders sein? Das 5-Stufen-System war der Versuch, einen harten Overall-Lockdown auf ein erträgliches Maß zu reduzieren unter der Maßgabe, eine Ausbreitung des Virus‘ mit dennoch gleicher Effizienz einzudämmen. Nun, der Erfolg ist in Zweifel zu ziehen. Wir haben in Deutschland mit einem ähnlichen Vorgehen einen gleichen zweifelhaften Erfolg zu verzeichnen. Unter dem Blickwinkel, dass wir so die Feiertage ohne unmittelbare Katastrophe überstanden haben, ist es so vielleicht auch etwas positiv zu sehen. Allerdings, nun hilft kein Lavieren mehr. Jetzt können wir nur noch auf das Zweigespann setzen: Lockdown plus Impfung. Wie es die FM Nicola Sturgeon formuliert: Der Wettlauf zwischen Impfung und Virus.

unter Verwendung von BBC-Scotland, 05.01.2021

  • Don’t party over Hogmanay!

… dieser Aufruf erschallt fast auf allen Titelseiten und wird ergänzt von der dringenden Bitte der FM Nicola Sturgeon an alle Schotten, in der Neujahrsnacht zu Hause zu bleiben. Schottland hatte Dienstag die höchsten Zahlen an Neuinzidenzen zu verzeichnen, meldet die i. Sehr wahrscheinlich sind es die Auswirkungen der Weihnachtstage, sowohl hinsichtlich der tatsächlichen Inzidenzen als auch deren Registrierung, welche nun auf einen Schub kommt.

Dahinter tritt der Siegesruf des PM Johnson: „Wir haben das Unmögliche vollbracht“ (Daily Express) in den Hintergrund. Und auch die neuerlichen Schneefälle, welche im Daily Star mit „Whitemare“ bezeichnet werden, verblassen dagegen, gleichwohl sie lebenswichtige Lieferungen für tausende sich selbstisolierende Familien beträchtlich behindern. Eine gelbe Wetterwarnung wurde für Schottland wegen des Schnees ab Mittwoch 18:00 herausgegeben.

aus BBC-Scotland, 29.12.2020

  • Ab 2. Weihnachtsfeiertag praktisch nur noch Level 4

Ab dem 26. Dezember wird praktisch ganz Schottland unter das höchste Covid-Level 4 fallen. Nur für einige westliche und nördliche Inseln wie Islay, Jura, die Orkneys, die Shetlands und einige andere gilt „nur“ Level 3. Selbst die Isle of Skye fällt dann unter Level 4. Nicola Sturgeon meint, die Verschärfung der Restriktionen sind im Zusammenhang mit einer neuen, sich noch schneller verbreitenden Variante von Covid nötig. Sie ergänzt, die Fallzahlen seien derzeit in Schottland niedriger als im restlichen UK, es handelt sich also um eine präventive Maßnahme.

aus BBC-Scotland, 22.12.2020

  • Prepare for No Deal

Das Hauptthema in der Presse: „Bereitet euch auf No-Deal-Brexit vor!“ Der Satz ist von PM Boris Johnson, doch die Meinung ist ungeteilt. Mit dem Deal gemeint ist, dass es kein Handelsabkommen zwischen dem UK und der EU nach dem Brexit geben wird. Sonntag läuft die Verhandlungsfrist ab, aber die Fronten sind verhärtet. Irgendwie ist es schwer zu verstehen. Aber irgendwie ist es auch folgerichtig. Die Hauptformel der EU ist der Kompromiss. Unter Abwägung der Eigeninteressen aller Mitglieder muss immer eine Kompromisslösung gefunden und akzeptiert werden. Das gerade wollte das UK unter seinem PM Johnson nicht. Johnsons zentrale Formel lautet Unabhängigkeit im Sinne völliger Eigenständigkeit. Das passt mit einer Kompromiss-Union eben einfach nicht zusammen. Das kann man drehen und wenden wie man will. Der Scottish Daily Express erklärt „Alles was wir je wollten, war unsere Freiheit“ und „die EU weigert sich unverhohlen, die Einforderung unserer Unabhängigkeit zu akzeptieren„. Bei allem Verständnis, das ist abstrus. Gerade das wurde ja erwirkt, die Kompromisse der EU erstrecken sich nicht mehr auf das UK, weder die einengenden Regeln noch die daraus erwachsenden Vergünstigungen. Wahrscheinlich muss wirklich erst der Punkt null erreicht werden bevor man Schritt für Schritt im Einvernehmen einen für beide Seiten vorteilhafteren Zustand wiederaufbauen kann. Vor uns liegt ein Haufen Scherben, verletzt euch nicht noch daran. Zu kitten ist da nichts. Baut es neu auf!

B. Horlbeck 11.12.2020

  • Bye, bye Scotland 2021 …

Laut der FM Nicola Sturgeon „ist es nicht anzuraten, jetzt einen Sommerurlaub zu buchen.“ Und sie konstatiert: „Wir hätten viel, viel strengere Reisebeschränkungen schon früh in diesem Jahr haben müssen.“ Dies entnimmt sie einer wissenschaftlichen Analyse über die Ausbreitung des Virus in der zweiten Welle. Viele der Infektionen in der zweiten Welle seien in Länder außerhalb des UK zurückzuverfolgen.

B.H.: Ich schätze, im Zuge unserer geplanten Schottland-Reise 2021 können wir allenfalls einmal zur Insel hinüberwinken …

nach Report BBC-Scotland, 09.12.2020

  • Im Status gefallen

Am 18. Oktober hatte ich feststellen müssen „‚Der König‘ kauft ein“, womit die Erweiterung seines Golfplatzes in Aberdeenshire durch Donald Trump gemeint war. Daran hat sich durchaus nichts geändert. Doch gerade las ich über BBC, dass „Trumps Golfkurs-Dünen ihren besonderen Umwelt-Status verlieren“. Hintergrund ist, dass die Landschaftsagentur Nature Scot (vorm. Scottish National Heritage) erklärte, „dass das Gebiet nicht länger verdient, als SSSI (Site of Special Scientific Interest) bewahrt zu werden„.

nach Report BBC-Scotland, 09.12.2020

  • Lämmer zur Schlachtbank

„Die Brexit-Gespräche sind an den Verhandlungstisch zurückgekehrt und geben nur geringe Fortschrittssignale, weder seitens des UK noch der EU-Führung und für die Exporteure ist kein Deal in Aussicht.“ So kommentiert es Douglas Fraser für die BBC Scotland zum Wochenende. Fleischexporte bei Schafen sind ein Sektor, der mit besonders hohen Zöllen behaftet ist, um sowohl die britischen als auch die übrigen Farmer in Europa zu schützen, doch jetzt wird sich das UK außerhalb der europäischen Festung befinden. Etwa ein Drittel aller schottischen Schafe gehen in den Export und 98 % davon nach Europa. Die Köche dort schätzen das schottische Highland- Lamm. Doch es gibt eine starke Konkurrenz in Neuseeland. Man kann sich denken was passiert, wenn nunmehr auch für das UK immense Zölle für den Lamm-Export nach Europa anfallen werden. Es wird zum Zusammenbruch jeglicher bitischer Lammfleischexporte und zu einer totalen Überdeckung des britischen Marktes führen. Das setzt die schottischen Farmer unter erheblichen Druck. Doch das ist nur eine Sentenz unter vielen im schottischen Nahrungsmittelmarkt, ja im Markt überhaupt. Ein anderes großes Problem ist die Fischerei. Das UK will das Fischen in britischen Gewässern nicht gestatten. Doch was ist, wenn nur von Großbritannien aus gefischt werden darf. Der in Aussicht stehende „große Fang“ muß auch abgesetzt werden, um wirtschaftlich relevant zu sein. Wird man ihn in Frankreich noch kaufen? Und so schließt Douglas Fraser folgerichtig:

„Die Praxis eines Brexits mit einem Deal wird sehr viel beschwerlicher sein als jetzt, doch die Kosten eines Brexits ohne Deal werden aber noch weitaus höher sein und im Falle landwirtschaftlicher Güter werden sie weite Exportmärkte schlechthin zur Strecke bringen. The stakes for steaks could hardly be higher.

nach Kommentar von Douglas Fraser für BBC-Scotland, 06.12.2020

  • „Wir schlagen zurück …“

… es geht wie ein gemeinsamer Aufschrei durch Schottlands Presse und klingt wie im Krieg, diesmal gegen Covid-19. So bezeichnet es The Scottish Daily Mail als „Operation Beat Covid“, und der Dienstag nächste Woche ist der „V-Day“ , der Impftag (Vaccination Day). Das UK ist der erste Staat in der Welt, in welchem der Impfstoff von Pfizer die offizielle Zulassung erhalten hat. So mobilisiert das UK jedermann für den Kampf gegen den gemeinsamen Feind: „A call to arms“ bezeichnet es The Evening Telegraph. Es ist der auch für uns lang ersehnte Hoffnungsschimmer und die Edinburgh Evening News betiteln es mit „Vaccine Joy“ und „… the stars are shining bright …“. Und da uns das Lachen oder Lächeln nicht abhanden gekommen ist, werden PM Johnson und FM Nicola Sturgeon auch gleich mal im Daily Star zu Fred Feuerstein und Wilma stilisiert: „Jabba – Dabba – Doo!“.

aus BBC-Scotland, 03.12.2020

  • Der Hoffnungsschimmer zum Wochenende

Am Freitag schwenkt die Presse in solider Einigkeit vom Albtraum auf die Hoffnung. „Eine Million Impfungen in Schottland bis Ende Januar“ kommentiert The Herald den Gesundheitsminister und ergänzt, dass die schottische Regierung laut Gesundheitsminister plant, „in den nächsten Monaten 4,4 Millionen Schotten, die älter sind als 18 Jahre zu impfen“. Am Samstag wird neben anderen gesamtbritischen Themen auch noch einmal auf das bevorstehende Weihnachtsfest geblendet. So The Press and JournalSturgeon setzt Vorsicht an die Spitze der Weihnachtswunschliste“ und warnt mit den Worten von Frau Sturgeon vor „weiteren Lockdowns, wenn sich die Menschen nicht an die derzeitigen Regelungen halten“.

aus BBC-Scotland, 22.11.2020

  • Level 4 – der Albtraum vor Weihnachten

… das war der Grundtenor der schottischen Presse letzten Mittwoch. Hintergrund ist, dass mit dem 20. November nunmehr elf schottische Distrikte in das härteste Covid-19-Level 4 eingestuft wurden. Das betraf insbesondere die Regionen in West- und Zentralschottland, wo die Inzidenzraten noch immer bei etwa 250 pro Woche und 100k Einwohnern liegen. Wie der Daily Record berichtet, gibt Frau Sturgeon dabei der Hoffnung Ausdruck, dass man so die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage retten kann. Der Scotsman  spricht von ‚einer absurden Transparenzlücke in der schottischen Covid-Planung‚  und der Daily Telegraph schreibt, dass ‚die Regeln für Familien zu Weihnachten gelockert werden müssen‘. Kurz, es ist nicht anders als bei uns, gleiche Befürchtungen, die gleiche Regelunsicherheit.

aus BBC-Scotland, 22.11.2020

  • STEVIE WONDERS

… triumphiert The Scottish SUN in ihrer heutigen Ausgabe. Die zugehörigen Bilder in der gesamten schottschen Presse lassen keinen Zweifel worum es geht: Football! Football! Football! Genauer, Schottlands Rolle im internationalen Fußball. Für die nicht so gut informierten Leser: Gestern gelang Schottland nach 22 Jahren Abstinenz in Belgrad mit 5:4 (1:1) nach Elfmeterschießen ein historischer Sieg gegen Serbien und die Scotsmen um Nationaltrainer Steve Clarke qualifizierten sich für die EM 2021. Sie sind damit in einer Gruppe mit Kroatien, Tschechien und … England. Einen weiteren Kommentar braucht es nicht … oder doch noch ein paar Titelzeilen gewünscht?

  • Daily Express: „We’re Back“
  • Daily Star: „Finally. The Tartan Army can party at last“
  • The National: „Heroes“
  • Glasgow Times: „We’ve done it!“

aus BBC-Scotland, 12.11.2020

  • Cov-19-Impfstoff innerhalb von Wochen

Die Auslieferung eines wirksamen Impfstoffes gegen die Corona-Viren könnte bereits innerhalb von Wochen erfolgen. So kann man es auf den Titelseiten der Mehrzahl der schottischen Tageszeitungen lesen. Es ist ein Aufschrei der Erleichterung, in Schottland, wie in der übrigen Welt. Schließlich sehen wir zum ersten Mal ‚ein Licht am Ende des Tunnels‚, so schreibt es der Daily Record. Und The Herald wie auch der Daily Express bringen die Hoffnungen auf den Punkt, dass das Leben im nächsten Frühjahr damit in die Normalität zurückkehren könnte. Scottish Daily Mail: ‚Ein kleiner Stich für einen Menschen …‘, aber eine Riesenerleichterung für die ganze Menschheit, darf man ergänzen.

aus BBC-Scotland, 07.11.2020

  • Thema No. 1: U.S. elections

Thema No. 1, auch in den schottischen Medien ist aktuell natürlich der Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA: „Biden verspricht eine gespaltene Nation zu heilen“. So umschreibt es The Scotsman. Ich meine, in den Medien im Hintergrund eine gewisse Hoffnung in einer möglichen Präsidentschaft von Biden erkennen zu können. Doch man erwartet sicherlich nicht zuviel. Mit britischer Zurückhaltung kommentiert man allgemein die augenblickliche Faktenlage, wie im Daily Express konstatiert: „Präsident Trump verweigert eine Anerkennung der Realität“.

aus BBC-Scotland, 07.11.2020

  • Irgend etwas, worüber wir uns freuen können

„Es ist zwar erst November, doch mit Sicherheit brauchen wir etwas, worüber wir uns freuen können“, so beschreibt der Daily Star mit Blick auf das kommende Weihnachtsfest die Unsicherheit der Menschen, wie wir damit umgehen können in der aktuellen Cov-19-Situation. Die Infektionszahlen sind auch in Schottland nicht geringer geworden, aber sie sind auch nicht weiter gestiegen. Halbleer oder halb voll? Der erste Schritt war notwendig, aber wird ein zweiter Fortschritt folgen und uns wieder etwas bringen, auf das wir uns von ganzem Herzen freuen können? Wird der schottische Humor dieses Jahr die einzige Weihnachtsdekoration sein? „Weihnachten ist für mich die schönste Zeit des Jahres … besonders dieses Jahr, wenn ich keinen Menschen sehen muss …“ (Bauble auf der Titelseite des Daily Star).

aus BBC-Scotland, 07.11.2020

  • Versprechen der Sicherung schottischer Jobs

Der britische PM (Premieminister Boris Johnson) verspricht die Sicherung schottischer Jobs auch unter den Bedingungen eines zweiten Lockdowns und eines damit verbundenen Zwangsurlaubs, heißt es heute im Daily Express und im Daily Telegraph. Und The Herald stellt fest: Die Zwangsurlaub-Konfuision hält Schottland in einem Schwebezustand. Im Grunde besteht das Problem darin, dass nicht restlos klar ist, inwieweit das Schema bezahlten Zwangsurlaubs in Schottland verfügbar bleibt, wenn der volle Lockdown in England mit Beginn des nächsten Monats endet. Der PM sagt, dass das Schema immer dort verfügbar sein wird, wo es gebraucht wird. Doch sein Sekretär Robert Jenrick hat daran einige Zweifel. England geht am Donnerstag in einen landesweiten Lockdown , welcher bis 2. Dezember andauern wird, während Schottlands unbegrenztes 5-Stufen-Konzept seit  Wochenbeginn in Kraft ist.

Wenn wir auch hier in Deutschland oft ein nicht einheitliches Vorgehen bemängeln, so will mir bei aller Zurückhaltung doch scheinen, dass wir da noch um Einiges besser d’ran sind als das UK.

nach Berichten der BBC-Scotland, 03.11.2020

  • Scotland papers on Sunday

Die BBC Scotland fasst die Titelseiten der schottischen Presse für den heutigen Sonntag zusammen:

’00 Heaven‘ and the ‚Nightmare Before Christmas‘

Die Trauer um Sir Sean Connery erfasst eine ganze Nation. Spätestens hier erkennt man, dass sich die Schotten von Sean Connery repräsentiert fühlten und fühlen wollten wie von kaum einer anderen Persönlichkeit dieser Tage.

‚Der Albtraum vor Weihnachten‘ (Scottish Daily Express) tritt demhingegen in den Medien zurück. Er gilt den bevorstehenden Covid-19-Maßnahmen für die nächsten 4 Wochen in England. Die First Ministerin Nicola Sturgeon rät den Schotten, sich in dieser Zeit außerhalb Englands aufzuhalten (Scotland on Sunday).

aus BBC-Scotland, 01.11.2020