Geschichte Schottlands

Kurze Zeittafel der schottischen Geschichte bis zum 14. Jhrh.
 
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ca. 3900- 500 v. Chr.:

Steinzeit bis Eisenzeit

Steinzeitkulturen. Fundstellen Orkney-Inseln Papa Westray und Mainland

  • ca. 2100 v. Chr.: Sturmkatastrophe von Skara Brae (verschüttetes Steinzeitdorf)
  • 800 v. Chr.: Beginn der Einwanderung eisenzeitlicher Völkerschaften aus Mitteleuropa

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500 v. Chr.:

Keltische Einwanderung

Keltische Einwanderer landen über Irland

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55 v. Chr. bis 4. Jhrh.:

Römer-Zeit

Die Römer besetzen die britische Insel und versuchen, auch bis Kaledonien vorzudringen

  • 55 v. Chr.: Erstes Übersetzen von Römern auf die britische Insel
  • 43 n. Chr.: Beginn der römischen Eroberung Englands
  • 84 n. Chr.: Schlacht von Mons Gropius (Südostschottland), Sieg der Römer unter Agricola über schottische Stämme unter Calgacus
  • 117-138: Bau des Hadrianswalls
  • Ende 4. Jh.: Abzug der Römer aus den Grenzbefestigungen

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4. Jhrh. bis – 8. Jhrh.:

Dark Age (Frühes Mittelalter)

Auf schottischem Territorium leben mit meist kriegerischen Kontakten Pikten (nicht indogermanisch) im Reich Fortriu und anderen Kleinkönigreichen im Nordosten, Skoten im Reich Dalriada (keltisch) im Nordwesten, romanisierte Briten in Strathclyde im Südwesten und germanische Angeln in Northumbria im Südosten (Deira, Bernicia).

  • 397: Beginn der Missionsarbeit des St. Ninian
  • 449: Landung jütischer Krieger (Hengist, Horsa) im Osten Englands
  • 563: Sankt Columba (Abkomme irischer Könige) und Gefährten landen auf Iona und beginnen die Missionsarbeit in Südwestschottland. Unter seinem Einfluss kommt das Königreich Dalriada zu einer gewissen Vormachtsstellung unter einer Reihe von vergleichsweise unbedeutenden kleinen skotischen Inselkönigreichen im Westen (Corcu reti – ‘Nachfahren der Reti’).
  • 574 – 603: Aedan mac Gabrain wird 574 von St. Columba, in einer offenbar weitgehend christlichen Zeremonie, zum König von Dalriada gekrönt. Seine Allianz mit Iona bildete einen Eckpfeiler der Stabilität Dalriadas im 7. Jhrh. Nach erfolgreichen Feldzügen zu den Orkneys und auf die Isle of Man wandte er sich später vorwiegend gen Osten und führte erfolgreiche Kämpfe gegen die Maithi (Stirling). Gegen Ende seines Lebens sah er sich einer neuen Bedrohung aus dem Osten, in Person des bernicischen Königs Ethelfrith, gegenüber. Bernicia avancierte gegen 600 zur dominierenden Macht im Raum Northumbrias. Im Versuch, sich gegen die vordringende Macht zu stellen, unterlag Aedan im Jahre 603 in der Schlacht von Degsastan.
  • 685: In der Schlacht von Nechtansmere (Fortriu – Pictland) am 20. Mai 685 bricht ein piktisches Heer unter Bridei mac Beli die Vorherrschaft der Northumbrier im Nordosten durch einen Sieg über ein angreifendes Heer des zu dieser Zeit dominanten northumbrischen Königs Ecgfrith was zu einer bedeutenden Stabilisierung piktischer Machtpositionen in der damaligen Kräftekonstellation führte. Dieses Ereignis kann man mit Fug und Recht als eine Schicksalsstunde für das spätere Schottland ansehen, da hier der nahezu übermächtigen kriegerischen Ausbreitung Northumbrias nach Norden eine Grenze gesetzt wurde.
  • 741: Pikten unter dem verturionischen König Oengus mac Fergus fallen in Dalriada ein und nehmen die Festung Dunadd ein. Es ist zu vermuten, dass damit Dalriada endgültig unter piktischen Einfluss gelangte und sich damit bereits eine Basis für die spätere Verschmelzung des skotischen Dalriada mit den piktischen Kleinkönigreichen (z.B. Fortriu) ausbildete. Der Pikte Domnall, ein Nachfahre des Oengus mac Fergus, wird 811-835 als König von Dalriada erwähnt.

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Ausgang 8. Jhrh. bis  Anfang 11. Jhrh.:

Wikinger-Zeit

  • 793: Überfall von Wikingern auf das Kloster Lindisfarne – Beginn der Wikingerzeit
  • 834 – 860: Kenneth mac Alpin, König von Dalriada, zieht auf piktisches Territorium und einigt Schottland zu einem Königreich mit der Hauptstadt in Scone (Fortriu), zunächst als Vereinigung von Dalriada und piktischen Kleinkönigreichen im Nordosten. 842 wird Kenneth mac Alpin unter dem Namen Kenneth I als piktischer König erwähnt. Es ist anzunehmen, dass diese Einigung auch aufgrund der ständigen Bedrohung der Pikten durch die Wikinger befördert wurde. Später kommen Strathclyde und Northumbria zu diesem Reich hinzu (Anfang 11. Jhrh.).
  • 889: Domnall mac Custantin, ein Enkel von Kenneth mac Alpin, wird als König von Alba erwähnt (Donald II), womit erstmals die Bezeichnung ‘Alba’ für das schottische Königreich, als Vereinigung von skotischen und piktischen Nationalitäten auftaucht. Donald II stirbt um 900.
  • 903 – 904: Verwüstung der East Midlands durch Wikinger-Überfälle, welche ihren Höhepunkt in der Schlacht von Strathearn erreichen.
  • 937: Constantine II, König von Alba, verbündet sich mit den Wikingern gegen Athelstan, dem ersten König von England, und erleidet eine schwere Niederlage in der Schlacht von Brunnanburh. Schon vor seinem Tode folgt ihm 943 der Sohn seines Vorgängers (Donald II), Malcolm I (Malcolm mac Donald) auf den Thron von Alba.

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11. bis Ende 13. Jhrh.:

Die Canmore-Dynastie

  • 1034: Malcolm II, letzter in direkter väterlicher Erbfolge Kenneth mac Alpins sirbt und Duncan I, Enkel von König Malcolm II wird König von Alba (König Duncan in Shakespeares ‘Macbeth’). Er ist ein schwacher König. 1040 wird er von Macbeth, Herrscher über Moray, besiegt und getötet. Macbeth ist König von Alba bis 1057, als er von Duncans Sohn Malcolm getötet wird. Doch König wird zunächst Lulach mac Gilla Comgain. Allerdings tötet Malcolm 1058 auch ihn und regiert als König von Alba bis 1093 (Malcolm III), begründet somit das Haus Canmore (Malcolms gälischer Name: Mael Coluim Cenn Mor).
  • 1093-1124: Ihm folgt zunächst sein Bruder Donald III sowie seine Söhne Duncan II, Edgar und Alexander I.
  • 1124 übernimmt sein vierter Sohn, David I, rückkehrend von der elterlichen Flucht nach England um 1093, den Thron Schottlands und regiert bis 1153. Er gilt als erster Architekt der dynamischen schottischen Monarchie, wobei unter Führung der Krone die politische Struktur, die soziale Organisation und die Kultur des Königreichs verändert wurden. Aufgrund der erreichten internen Stabilität seines Königreiches, gab es ihm die Möglichkeit, sich in den sich entwickelnden englischen Bürgerkrieg einzubringen.
  • Nach seinem Tod um 1153 übernimmt sein Enkelsohn Malcolm IV im Alter von 12 Jahren die Macht, dem nach seinem frühen Tod um 1165 sein Bruder William I (The Lion) auf dem Throne folgt. Ihm folgen nach dessen Tod um 1214 seine Nachkommen Alexander II (1214-1249) und Alexander III (1249-1286), letzterer im Alter von 7 Jahren.
  • Um 1251 wird der schottische König Alexander III mit der Tochter Margaret des englischen Königs Henry III vermählt.

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Ende 13. Jhrh. und 14. Jhrh.:

Die Unabhängigkeitskriege

  • König Alexander III unternahm während seiner Machtperiode eine Reihe von Versuchen, die norwegisch (Hakon IV) besetzten äußeren Hebriden in das schottische Reich zu integrieren. 1263 fand nach norwegischer Invasion die Schlacht von Largs statt, brachte jedoch keine Entscheidung und Hakon trat den Rückzug an, auf dem er ums Leben kam. Mit dessen Nachfolger Magnus VI unterzeichnete Alexander III 1266 den Frieden von Perth. Darin wurden die Isle of Man, Caithness und die Hebriden an die Schotten abgegeben. Schottland erkannte die norwegische Herrschaft über die Orkneys und Shettlands an.
  • 1275-1284: 1275 stirbt Margaret, die Frau Alexanders III. Innerhalb weniger Jahre, bis 1284 sterben auch seine drei Kinder Margarete, Alexander und David. Daraufhin überzeugt Alexander das schottische Parlament, seine Enkelin Margarete (“The Maid of Norway”, geboren 1283) als Thronfolgerin zu akzeptieren.
  • 1286 heiratete Alexander als zweite Frau Yolande, die Tochter des Count of Dreux. Am 19.03.1286 stürzt Alexander III, als er sich auf dem Heimweg aus Edinburgh zu seiner neuen Frau befindet, bei stürmischem Wetter in der Nähe von Kingshorn von seinem Pferd und die Klippen hinunter und findet dabei den Tod. Dieses Ereignis führte zu gravierenden Folgen für das schottische Reich, welches unmittelbar in diverse Machtwirren stürzte. Auf den Königsthron heben zunächst die Adligen John Balliol und Robert Bruce, 5. Lord of Annandale Anspruch. Wie vereinbart wird 1286 jedoch Alexanders noch minderjährige und sich im elterlichen Norwegen befindliche Enkelin Margarete Königin, wobei sie nach Arrangement mit dem englischen König Edward I, mit dessen Sohn Edward II verlobt wird (Abkommen von Birgham). 1290 begibt sie sich auf die Reise nach Schottland, kommt dort aber nie an und stirbt im Alter von acht Jahren unterwegs bei den Orkney-Inseln.
  • 1290-1295: In den Jahren 1290 bis 92 gab es nicht weniger als 13 Anwärter auf den schottischen Thron und erneut wurde seitens des Adels Edward I um Vermittlung gebeten, für den jedoch die Möglichkeit englischer Herrschaft über Schottland im Fokus stand. Er entschied sich für John Balliol als schottischen König (17.11.1292) mit dem Ziel, ihn als englischenVasallen aufzubauen. Schottland sollte ihm auf diese Weise im Krieg gegen Frankreich zur Seite stehen. Tatsächlich ging der schottische König John Balliol im Oktober 1295 aber eine Allianz mit Frankreich ein, was zum entscheidenden Bruch mit England führte.
  • 1296: Der große Kontrahent Schottlands war auch in diesen Jahren das von Edward I, dem “Hammer of the Scots” (1239-1307) geführte England. 1296 begann Edward I als Reaktion auf Balliols Entscheidung seinen ersten Kriegszug nach Schottland.  Im April 1296 schlug das englische Heer unter Führung von John de Warenne die Schotten unter John Comyn in der Schlacht bei Dunbar. John Comyn und eine Anzahl weiterer schottischer Adliger gerieten in Gefangenschaft. Balliol flüchtete mit weiteren Streitkräften nordwärts und wurde von Edward verfolgt, so dass es zu weiteren Schlachten kam, welche die Engländer alle für sich entschieden. Im Juli 1296 gab John Balliol auf und dankte als König ab. Als Gefangener wurde er in den London Tower gebracht. Als Ausdruck seiner Macht entwendete Edward I den Stone of Destiny aus Scone nach England (Westminster Abbey) und ließ Schottland durch eigene Statthalter regieren.
  • 1297-1298: 1297 formierte sich unter William Wallace, Andrew de Moray und weiteren Adligen der schottische Widerstand. Im September 1297 schlugen die von Wallace und Moray geführten Schotten die englische Streitmacht im Battle of Stirling Bridge. Im März 1298 wurde daraufhin Wallace zum Guardian of Scotland ernannt. Im Juli 1298 startete Edward allerdings erneut eine Invasion und besiegte die von William Wallace geführten Schotten in der Schlacht von Falkirk, woraufhin Wallace als Guardian abtrat.
  • 1298-1304: Wallace folgten zunächst John Comyn und Robert Bruce als Guardians. Doch aufgrund persönlicher Differenzen änderte sich dies kurzfristig, Robert Bruce trat 1300 zurück. In den folgenden Jahren vollzog sich eine Vielzahl von Amtswechseln, bei denen die Stellung zu England und der schottischen Unabhängigkeit die Hauptrolle spielte. Edward I unternahm in diesen Jahren weitere Feldzüge nach Schottland (1301, 1303) und unterwarf 1304 rein formell den Großteil des schottischen Adels. Dadurch war der schottische Patriotismus im Innern jedoch ungebrochen. Insbesondere Robert Bruce ordnete sich dem englischen König zwar unter, wechselte bei jeder Gelegenheit für Schottland jedoch die Seite.
  • 1305-1307: 1305 wurde William Wallace bei Glasgow ergriffen und den Engländern ausgeliefert. Daraufhin wurde dieser im August in London brutal hingerichtet. Damit jedoch flammte der schottische Widerstand erneut auf. Doch auch die Zwistigkeiten zwischen John Comyn und Robert Bruce nahmen an Schärfe zu. Im Februar 1306 floh Bruce, Verrat ahnend, aus England ins schottische Dumfries, wo sich gerade Comyn aufhielt. In der dortigen Franziskanerkirche kam es zu einer Auseinandersetzung, bei der John Comyn von Bruce und seinen Begleitern getötet wurde. Robert Bruce wurde daraufhin mit einem Kirchenbann belegt. Als einzigem Ausweg ließ sich Bruce am 25.03.1306 in Scone zum König Schottlands krönen und versuchte, Schottland gegen Edward I zurück zu erobern. Allerdings wurde Bruce seitens des schottischen Adels zunächst wenig Vertrauen geschenkt und zunächst gelang ihm der erforderliche Erfolg nicht. Edward I stellte ihm und seiner Familie gewaltsam nach und ließ 1307 seine Truppen erneut in Schottland einmarschieren. Am 7. Juli 1307 starb Edward I. Das Blatt begann sich zu wenden.
  • 1308-1314: Ab 1307 begann Robert Bruce, später gemeinsam mit seinem Bruder Edward Bruce, in einer Art Guerilla-Taktik die englischen Stellungen in Schottland anzugreifen und zu übernehmen. Aufgrund des Erfolges gewann Bruce allmählich Respekt und Unterstützung des gesamten schottischen Adels. 1313 dehnte er die Kriegszüge erfolgreich auch nach Nordengland aus. Die letzte von den Engländern gehaltene Bastion in Schottland war Stirling Castle. Am 23. und 24. Juni 1314 wurde das dortige, zahlenmäßig überlegene englische Heer in der Schlacht von Bannockburn von den Schotten vernichtend geschlagen. Der englische Nachfolgekönig Edward II nahm daraufhin einen Waffenstillstand an.
  • 1314-1320: Nach diesem Sieg unternahmen die Schotten unter Bruce den Versuch, durch eine Invasion Irlands die dortige englische Vorherrschaft zu beseitigen. Doch dieses Untenehmen ebbte nach einiger Zeit mit nur teilweisem Erfolg ab. Die schottische Oberschicht strebte eher eine Klarstellung und dauerhafte Festigung des erreichten schottischen Status an. Im Ergebnis wurde 1320 die Declaration of Arbroath verabschiedet, in der einer der Kernsätze zu deutsch lautet: ” Wir kämpfen weder für Ruhm, noch Wohlstand, noch Ehre, sondern für Freiheit allein – die kein rechtschaffener Mann aufgibt – außer mit seinem Leben.”
  • 1328 wurde die Unabhängigkeit Schottlands durch den englischen König Edward III im Abkommen von Edinburgh und Northampton anerkannt.

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In Auszügen entnommen aus:

H. Schreiber, “Die Geschichte Schottlands”, Weltbild Verlag GmbH Augsburg, 1995,

John Sadler, “Scottish Battles”, Canongate Books Ltd., 1996,

Companion to Scottish History, Edited by Michael Lynch, Oxford University Press, 2001, 2007, 2011.

James E. Fraser, “From Caledonia to Pictland, Scotland to 795″, Edinburgh University Press, 2009.