St. Andrews

In Schottland feiert man den „St. Andrew’s Day“ am 30. November, den Tag des schottischen Nationalheiligen Sankt Andreas. Dieser Apostel ist für die Schotten von besonderer Bedeutung, ist er doch für sie ein Symbol ihrer Autonomie und ihres bereits seit dem 4. Jahrhundert bestehenden christlichen Glaubens. Zusammen mit Simon Petrus und dem Brüderpaar Jakobus und Johannes gehört Andreas zu den ersten vier Aposteln. Er predigte vor allem in Griechenland, der heutigen Türkei und in Georgien. An einem 30. November zur Zeit des römischen Kaisers Nero wurde der Apostel in Patras, dem Hauptsitz der griechischen Provinz Achaia, auf Anweisung des Statthalters Aegeates an einem Kreuz mit diagonal verlaufenden Balken gekreuzigt. Das deswegen „Andreaskreuz“ genannte diagonale Kreuz ist das Emblem der auch „Saltire“ genannten schottischen Flagge.

Der Legende nach mussten sich im Jahre 832 Angus (Oengus mac Fergus), der König der Pikten und Skoten, und seine Männer gegen angreifende Angelsachsen aus dem Süden verteidigen. Sie waren schnell umzingelt und in einer ausweglosen Situation. Der dem christlichen Glauben angehörende Angus betete um Erlösung und es erschien ihm in dieser Nacht der heilige Andreas und versicherte, dass Angus Armee siegen würde. In der Morgendämmerung nahmen die Wolken am Himmel die Form eines diagonalen Kreuzes an. Ermutigt durch dieses göttliche Zeichen griffen die Pikten und Skoten an und konnten die angelsächsische Übermacht besiegen.

Seitdem ist das weiße Andreaskreuz auf blauem Grund (= Himmel) die Nationalflagge Schottlands. Die Verehrung des St. Andrew begann jedoch schon viel früher. Im 8. Jahrhundert brachte der schottische Bischof Acca von Hexham Reliquien des Apostels nach Schottland. Sie wurden bis zu einer Kirchenplünderung in der Reformationszeit in der frühchristlich-keltischen Siedlung St. Andrews aufbewahrt. Zum Schutz der zahlreichen Pilger und um sie zu beherbergen, wurde nahe der Kathedrale eine Burg errichtet, die genauso wie der Dom nun eine Ruine ist. Die University of St. Andrews, gegründet 1413, ist die älteste Universität Schottlands und drittälteste Großbritanniens. Sie gilt bis zum heutigen Tag zusammen mit Oxford und Cambridge als eine der Eliteuniversitäten des Vereinigten Königreichs. Hier erwarb auch Prinz William im Juni 2005 einen Abschluss der Universität von St. Andrews. Die Küstenstadt St. Andrews gilt als die Heimstätte des Golfsports. 1754 wurde hier der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews als einer der ersten Golfclubs überhaupt gegründet. Im Jahre 2006 wurde der St.-Andreas-Tag per Gesetz vom schottischen Parlament zum Bank Holiday-Tag d.h. zum öffentlichen Feiertag auf freiwilliger Basis ernannt.

St. Andrew gilt nicht nur als Schutzheiliger der Fischer, sondern auch der Liebenden und des Ehestandes. So ist die Nacht zum 30. November (Andreasnacht) eine Losnacht d.h. eine Nacht, in der jungen Frauen der zukünftige Ehemann im Spiegel oder in einer Wasseroberfläche erscheinen kann, wenn sie darum gebetet haben (Andreasgebet). Ein anderer Brauch dieser Nacht ist das Pantoffelwerfen: Weist die Spitze des Schuhs in Richtung Tür, heiratet das Mädchen innerhalb eines Jahres und verlässt die Eltern. Eine beliebte Tradition der Andreasnacht ist auch der Losapfel: Man schält die Schale eines Apfels in einem Stück ab und wirft sie über die Schulter. Formt die Apfelschale einen Buchstaben, so soll der Namen des zukünftigen Bräutigams mit diesem Letter anfangen.


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