Immortal Memory 2026
Bernd Horlbeck – Burns Supper 2026
Wir glauben alle, Robert Burns mittlerweile recht gut zu kennen. In gewisser Weise mag das auch zutreffend sein. Er liebte die Frauen, hatte eine Menge Balladen auf Lager, in denen es von witches und warlocks nur so wimmelt und mochte den Barleycorn wie kein zweiter. Er erzählte vom Landmann und seinem bescheidenen Leben und nahm so manchen mehr oder weniger zwielichtigen Zeitgenossen aufs Korn. Er selbst schlug sich so durch als Landmann mit Farm in Ellisland oder auch als Excise Man.
Was macht ihn so besonders? Bei alledem, was er anpackte dachte er nach, über die Verhältnisse, die das Leben der Menschen bestimmten und, warum alles so ist, wie es eben ist. In der Zeit Ende der 18. Jhrh. Und er lebte nicht auf einer einsamen Insel sondern in Europa, in Schottland. Selten denken wir im Zusammenhang mit ihm nach, über die Zeit, in der er lebte.
Er ist ein Zeitgenosse Napoleons, der 1769 auf Korsika geboren wurde und die französische Revolution 1789 vorbereitete. Er erlebte auch noch 1794 die Hinrichtung von Robespierre. Die Menschen in ganz Europa waren damals geknechtet von den feudalistischen Verhältnissen und begannen, dagegen aufzubegehren.
In Schottland war der Versuch der Restauration von Jacobs Macht 1746 mit der Schlacht von Culloden gerade erst gescheitert. Da hatten sich nicht schlechthin Engländer und Schotten gegenübergestanden sondern Schotten standen auf beiden Seiten und die Sympathien waren verteilt. Damit waren unterschiedliche Hoffnungen auf ein besseres Leben verknüpft, die wohl beide Seiten nicht eingelöst hätten.
In Preußen hatte der aufgeklärte Friedrich der Große (Der Alte Fritz) um 1740 die Königsmacht übernommen. Der wiederum zählte auch Voltaire zu seinen Freunden und brachte damit in den damaligen Adelsmief auch den frischen Geist der Franzosen.
Dem ständig grübelnden, denkenden Robert Burns merkt man diese Einflüsse in seinen Liedern und Balladen an, wenn man richtig zuhört. Ich denke hier an „The Rights of Woman“, „Address to the Deil“, „To A Mouse“, „The twa Dogs“, „The jolly beggars“ und viele andere.
Unter all diesen Balladen aber sticht „Is there for honest Poverty“ (For a‘ that and a‘ that) heraus. Kaum jemand weiß, dass diese Ballade 40 Jahre später aus Schottland heraus den deutschen Dichter Ferdinand Freiligrath inspiriert hat, aus dem Burns’schen „For a‘ that and a‘ that“ das deutsche „Trotz alledem“ zu dichten, welches nun 40 Jahre später den Geist und wesentliche Elemente von Robert Burns aufgenommen hat.
Damit kann man den Kreis schließen mit der Erkenntnis, dass Robert Burns uns nicht nur mit Tam O’Shanter beeindruckt, sondern mit seinem aufklärerischen Geist auch darüber hinaus begeistert hat und es auch heute noch tut:
For a‘ that an‘ a‘ that,
It’s comin yet for a‘ that,
That man to man the world o’er
Shall brithers be for a‘ that.
Dass Mensch zu Mensch in aller Welt
wie Brüder seien für all das.
